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Zu viel Rntgen in Deutschland
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H.S.
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Anmeldungsdatum: 11.02.2008
Beitrge: 152

BeitragVerfasst am: 18.02.08, 21:48    Titel: Antworten mit Zitat

Besten Dank, Herr Dr. Flaccus, fr Ihren guten und fundierten Beitrag.

Ich selbst habe mich zuletzt sehr gewundert, als ich den Zahnarzt wechselte (ohne ungewhnliche Zahnprobleme), und dieser mir gleich sagte: Machen wir doch erst mal eine Rntgenaufnahme.

PR, um "Hysterie" geht es gar nicht, den Begriff haben Sie hier eingefhrt. Im brigen tun Sie gerade so, als wrden Sie von der Politik gezwungen, bei allen Ihren Patientinnen >50<70 eine Mammographie zu machen. Das aber ist genau so wenig der Fall, wie Ihre Patientinnen gezwungen wren, etwas zu tun, was Sie ihnen empfehlen.
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Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beitrge: 2794
Wohnort: Lrrach

BeitragVerfasst am: 18.02.08, 22:36    Titel: Ich mache keine Mammographien, Antworten mit Zitat

werde jedoch tglich vielfach gefragt, was von einer von staatswegen eingefhrten Screeningmammographie zu halten sei, die ohne Arztkontakt und klinische Untersuchung erfolgt, unter Umstnden meherer Anreisen erfordert, und strafbewehrt sei im Falle der Brustkrebserkrankung ohne vorgngig nachgewiesene Inanspruchnahme.

Dann sag ich das hier Geschriebene.

PR
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Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beitrge: 2794
Wohnort: Lrrach

BeitragVerfasst am: 18.02.08, 23:40    Titel: zunehmende Etablierung von Leitlinien und Standards Antworten mit Zitat

fordern, wenn sie gut sind,
"die Routineaufnahme" ober Vergleichbares eben n i c h t.

Vielmehr beschreiben sie
- Korridore, innerhalb derer
- bei einer berschaubaren Vielzahl von konkreten und exemplarischen Fllen
- nach aktuell bestem Wissen vorgegangen werden soll.

Am besten berschaubar finde ich ihre Darstellung als Entscheidungsbume oder Stufenplne. Fr meine eigene tgliche Arbeit hab ich die lngst entwickelt.

Obwohl an Kollektiven entwickelt lassen sie jederzeit die Chance, sie dem individuellen Fall anzupassen.

Sie verbieten eigenes Nachdenken nicht und entmndigen niemanden.

Das Beste: sie verleihen dem, der sie adoptiert, die wirkliche Autoritt der gesamten Fachgruppe.

Welch ein Unterschied zu den "QM-Handbchern", die ich so gesehen hab !

PR
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Dr. A. Flaccus
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Anmeldungsdatum: 06.03.2005
Beitrge: 3181
Wohnort: Hildesheim

BeitragVerfasst am: 19.02.08, 13:23    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber PR,

ihre Kritik an QM-Handbcher vermag ich - obwohl ich selbst QM-Verantwortlicher meiner Abteilung bin - sehr wohl nachzuvollziehen.

Zitat:
Am besten berschaubar finde ich ihre Darstellung als Entscheidungsbume oder Stufenplne. Fr meine eigene tgliche Arbeit hab ich die lngst entwickelt.


Das ist ein guter Ansatz. In "kleinen" Betrieben mag das funktionieren. In einem Krankenhaus mit ber 500 Mitarbeitern klappt das in der regel nicht so gut.
Das hat nicht zuletzt mit der "Flut" von Arbeitsanweisungen zu tun, die im Rahmen jahrelanger QM-Arbeit so erstellt werden.
Man kann halt nicht alle kennen - das hre ich auch immer wieder, wenn ich auf deren Nicht-Beachtung hinweise...

Das fhrt uns zu folgenden Stzen:

PR hat folgendes geschrieben::
Das primre Ziel
"...unntige Untersuchungen zu vermeiden"
unterschreib ich sofort und aus vielerlei Grnden.
Unmittelbar handhabbar ist es jedoch nicht.


Sind wir uns einig, das Ihr letzter Satz - es ist nicht handhabbar - eine der wesentlichen Ursachen fr die Ausgangs-Feststellung dieses Threads ist: Es wird zuviel gerntgt ?

Dann sollten diesen Ansatz fr die weitere Diskussion nutzen.

Gru

Dr. A. Flaccus
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Dr. A. Flaccus
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Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beitrge: 2794
Wohnort: Lrrach

BeitragVerfasst am: 19.02.08, 18:23    Titel: Na, Sie leiten die Diskussion ja auch ganz schn ... Antworten mit Zitat

aber dazu sind Sie schlielich da.

Die Antwort wei ich nicht und tt mich im Leben n i c h t trauen sie zu schreiben, bevor ich nicht a l l e Leitlinien, die es zum Rntgen gibt, mit den tatschlich durchgefhrten Untersuchungen abgeglichen hab.

Eine weitere halbstaatliche Institution lt brigens fast immer rntgen: es sind die Berufsgenossenschaften. Der D-Arzt, der's nicht vorschriftsgema macht, verliert seine Zulassung als solcher.


Leitlinien:
groer und kleiner Betrieb macht natrlich einen groen Unterschied.

Meine Arbeitsanweisungen haben meine Mitarbeiterinnen und ich bei jeder Patientin vor der Nase, weil wir grundstzlich "an ihnen entlang" arbeiten. Die Anweisungen sind nach Diagnosengruppen bzw. diagnostischen Arbeitshypothesen sortiert und dementsprechend aufgebaut. Hab vierzig und ein paar davon. Wenn die Arbeitshypothese klar ist ("warum kommt die Patientin", z.B Schwangerschaftsfeststellung, Schwangerschaft soundsovielte Woche, postpartal, Empfngnisregelung, Fluor, Nachsorge Mamma etc.etc.), wird die in die Kiste getiptt, und dann steht da eine Tagesseite Karteikarte mit ausformulierter Anamnese, krperlichem Befund, Laborbefund, Technikbefund, MEMO (was darf nicht vergessen werden), Beratungsinhalt Patientin, Kollegenrat, Diagnosen mit ICD. An den Stellen der einzufgenden (vorgefundenen) Parameter ist eine Sprungmarke, die frei oder per Textmakro mit dem erhobenen Befund gefllt wird.
So ist durch standardisierte Dokumentation sichergestellt, dass durchweg standardisiert gearbeitet wird. Wenn die Konsultation fertig ist, ist auch die Karteikarte und damit der Brief fertig (der nichts als eine automatisierte Kopie der Karteikarte ist. D e n K o l l e g e n Briefempfngern gegenber lass ich also grundstzlich und jedesmal die Hosen vollstndig runter. Was mir den Kassen gegenber , Stichwort eCard, durchaus schwer fallen wrde, auch wenn der Herr Lauterbach das angeblich nur von schlechten rzten erwartet).
ndert sich was in irgendwelchen Leit- oder Richtlinien, wird das sofort bis ins Detail der Konsultation ausformuliert und steht von Stund an tglich zur Verfgung.
So geht nach meiner berzeugung "lebendes" QM (in der berschaubaren Arbeit einer Fachpraxis).
Natrlich gibts dann noch den ganzen Hygienekrimskrams und Nebenarbeiten, die im separaten Handbuch geregelt sind. Das ist tatschlich so aufgebaut wie blich und es steht im Prinzip nichts weiter drin als was eine gute Assistentin (ich hab nur solche) sowieso im Urin hat. Damit mach ich mir also nur ganz wenig Arbeit.

Wenn Sie das in concreto interessiert, schick ich Ihnen mal ne Disk (mit dem Stand von vor etwa eineinhalb Jahren, ist zum Mailen zu gro).

PR
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Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beitrge: 2794
Wohnort: Lrrach

BeitragVerfasst am: 23.02.08, 16:23    Titel: Und zur Screenin-Mammo Antworten mit Zitat

hier nun die aktuellen Zahlen:

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=59018

Alles Lobby oder was ?

PR
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H.S.
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Anmeldungsdatum: 11.02.2008
Beitrge: 152

BeitragVerfasst am: 25.02.08, 15:21    Titel: Antworten mit Zitat

Was soll daran neu sein?

Vielleicht, dass endlich einmal konstatiert wird:

"Nachteilige Effekte
Dem Nutzen des Screenings stehen unvermeidliche nachteilige Effekte gegenber:
- falschpositive Befunde
- Gewebeentnahmen bei gutartigen Lsionen
- Strahlenexposition
- berdiagnose."

Es bleibt dabei: "Von 1000 Frauen, die whrend 10 Jahren fnfmal an der Reihenmammografie teilnehmen, werden 999 Frauen keinen Nutzen haben, da sie ohnehin nicht an Brustkrebs sterben (996 Frauen) oder weil sie trotzdem an Brustkrebs sterben (3 Frauen). Die absolute Risikoverminderung betrgt also nur 0.1 %"
http://de.wikipedia.org/wiki/Mammografie

"Graf Zahls groer Bruder: Statistiken tuschen. Tabellen lgen. Und die meisten rzte haben keine Ahnung"

http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2002/pri02129.htm
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Dr. A. Flaccus
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Anmeldungsdatum: 06.03.2005
Beitrge: 3181
Wohnort: Hildesheim

BeitragVerfasst am: 25.02.08, 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend!

Unter:
http://www.mammographie-screening.org/die_mammographie/die_mammographie.php

findet man:

Zitat:
Zurck geht das Programm auf einen Bundestagsbeschluss. Im Juni 2002 hat der Deutsche Bundestag einstimmig beschlossen, in Deutschland ein qualittsgesichertes Mammographie-Screening-Programm einzufhren, und zwar auf der Grundlage der "Europischen Leitlinien fr die Qualittssicherung des Mammographie-Screenings". Die umfangreichen Richtlinien zu Zielen, Inhalten und Struktur des deutschen Programmes sind im Januar 2004 in Kraft getreten. Diese Richtlinien sind die Krebsfrherkennungs-Richtlinien (KFU-RL) und die Anlage 9.2 des Bundesmantelvertrags-rzte (BMV-)/Bundesmantelvertrag-rzte/Ersatzkassen (EKV)


Ich kann den fachlichen Hintergrund selbst nicht wirklich berblicken, dazu stecke ich zu wenig im Thema "Mammografie", aber:

All die Lehrer, Beamten, Eurokraten, rzte im Bundestag, Minister, Staatssekretre (die ja die Vorlagen vorbereitet haben) usw. - alle diese Leute haben "keine Ahnung" von dem, was da beschlossen wurde ?

Wer ist denn jetzt Schuld, an dieser "berdiagnostik" ?
Und wer sollte das ganze stoppen ?

Gru

Dr. A. Flaccus
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Anmeldungsdatum: 27.12.2006
Beitrge: 939

BeitragVerfasst am: 25.02.08, 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Dr. A. Flaccus hat folgendes geschrieben::
Wer ist denn jetzt Schuld, an dieser "berdiagnostik" ?
Und wer sollte das ganze stoppen ?

Ich kann mich nicht im Detail einmischen, aber nur mal von einem Menschen, den diese Thematik als berbegriff der "berdiagnostik" betreffen knnte und auch schon mal hatte, so wrde ich nicht von Schuld sprechen wollen, ist es ja auch immer auch eine ethische Frage und IMHO ist besonders ein Patient dazu aufgefordert nicht alles mitmachen zu wollen, zu mssen, ihm ngste zu nehmen, Bedeutungslosigkeiten bedeutungsvoll werden zu lassen, eben der einzige Indikator dafr, das es so ist, wie es hier diskutiert wurde.
Und wer hilft nun dem Patienten dabei das alles zu verstehen?
Zu verstehen im Notfall wohl gut versorgt zu werden, aber auch ohne Versprechen, vielleicht dort sogar noch besonders deutlich zu verstehen, aber sonst einfach das Gesundheitssystem Farbe zu bekennen hat, das von diesem eben nicht die ewig whrende Gesundheit am Tropf zu erwarten ist.
Freuen wir uns doch alle ber die wirklichen Errungenschaften, die uns schon allen ein sehr viel angenehmeres und lngeres Leben bescheren, als jemals zuvor.
Was wollen wir also noch mehr und wo ist schon an den Schulen die Gesundheitsaufklrung?

Viele Gre

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