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rztl. Schweigepflicht vs. Verwandte
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christine16
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Anmeldungsdatum: 19.07.2005
Beitrge: 1155

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 14:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
Zitat:
Anderes Beispiel: ein Mann geht zur Routineuntersuchung und erhlt die Diagnose Krebs. Er muss ins Krankenhaus zur Chemo und Bestrahlung, ist krperlich und geistig noch fit. Etwas spter sagt der behandelnde Arzt der Frau und der Tochter des Mannes, dass er nur noch etwa 2 Jahre zu leben hat und berlsst es ihnen, es ihm mitzuteilen oder nicht. Sie beschlieen, es ihm nicht zu sagen damit er den kurzen Rest seines Lebens noch mglichst unbeschwert genieen kann.
Wie kann so etwas sein?

Zitat:

Eine 24-jhrige Frau trug immer einen Notfallpass bei sich, darin stand nur ihr Partner als "im Notfall zu verstndigende Person". Sie lebte nicht mehr bei ihren Eltern und in einem anderen Bundesland, und sie hatte gar keinen guten Bezug zu den Eltern, telefonierte blo in relativ regelmigen Abstnden mal mit ihnen. Als sie ber eine Woche ber Fernmeldemittel nicht zu erreichen war, machten die Eltern sich Sorgen, klapperten telefonisch die Krankenhuser ab und fuhren zu jenem, in dem sie lag. Dort sagte man ihnen (als Eltern): "Ihre Tochter hat versucht sich das Leben zu nehmen, ihr Zustand ist einigermaen stabil..." Und die junge Frau bekam durch diese Informationsweitergabe die Hlle auf Erden von ihrem Vater zu spren, selbst htte sie das nie preisgegeben...

Sowas versteh' ich halt nicht...

Klar, ihr Partner wurde auch (sofort) informiert, er stand ja im Notfallausweis, doch der Rest konnte nicht unterbunden werden.

Zu obgenannten Fllen gebe ich Ihnen Symantha und Cerealkiller schon Recht, dass HIER die Schweigepflicht gebrochen wurde, daher die Vorgangsweise NICHT richtig war.
---------
Aber einige andere Passagen haben mich persnlich schon getroffen und mchte mich (doch) dazu uern - weil ich diese SO nicht stehenlassen kann/will:
Cerealkiller hat geschrieben:
Zitat:
Eine Frage ist noch offen: Was bewegt einen dazu Angehrige so bereitwillig zu informieren? Ist es die Selbstsicherheit, dass das eigene Ermessen wichtiger und richtiger ist als geltendes Recht? Ist es der "Herdentrieb", wenn alle es tun, dann tu ich es auch? Andere Grnde?

Dr. Flaccus hat geschrieben:
Zitat:

Ist ein weinender, verzweifelter Angehriger ein solcher Grund?

Antwort von Cerealkiller:
Zitat:
Nein, es steht doch nicht im Gesetz, dass der Arzt von seiner Schweigepflicht entbunden wird, wenn der Fragende weint - also hat er sich daran zu halten.

Dr. Flaccus:
Zitat:
Wie wrden Sie selbst als naher Angehriger ein Schweigen des Arztes empfinden?

Nun, dann lege ich mal los:
Aufgrund eines Arztfehler (ist ne andere leidvolle Geschichte ...) wurde ich vom Krankenhause A ganz hektisch (warum erfuhr ich erst spter) in den Notarztwagen verfrachtet und ins Krankenhaus B transferiert. Voller Schmerzen und Angst 'erlebte' ich alles so ziemlich 'daneben'. Wie aus der Ferne hrte ich wie eine rztin zu mir sagte:
"wir haben Ihren Mann schon verstndigt ....." ... d.h hier wurde eigentlich formal gesehen die Schweigepflicht gebrochen - und auch spter ....
Im Krankenhaus B war mein Mann gerade gekommen, als ich mit KW eingeliefert wurde. Ich hrte: "was ist mit meiner Frau? ..." Ich selbst, besser gesagt, mindestens 4 rzte waren mit mir 'beschftigt' - wusste gar nicht, was, weshalb etc. mit mir geschieht. Wei nur, dass alle ziemlich nervs, hektisch waren. Mein Mann 'durfte' mich sogar zum CT begleiten und spter dann eben in die Intensivstation. Nun genug davon, es geht hier ja um die Schweigepflicht:
Spter nach 5 Wochen als ich wieder zu Hause war, habe ich meinen Mann gefragt, wie es 'damals' war. In DIESEM Fall wusste er als Angehriger von meinem Zustand mehr (frher) als ich selbst! Er hatte sogar mit dem Chefarzt dort gesprochen ....., Mein Mann fand DAS ziemlich in Ordnung, er meinte sogar zu ihm: "danke, dass Sie so offen zu mir waren .... passen Sie auf meine christine auf ...."
In meinem Fall wurde zwar die Schweigepflicht gebrochen - (ich wurde ja gar nicht gefragt .....) also RECHTLICH war es NICHT richtig - aber MENSCHLICH gesehen schon!
Wie htte es denn ablaufen sollen? Mein Mann htte sicher nicht verstanden, wenn das groe Schweigen gewesen wre .....

Sie knnen sich vielleicht vorstellen, dass es mir nicht leicht gefallen ist, darber zu schreiben - aber eben bestimmte Aussagen haben mich dazu nun doch bewogen .....

Ich respektiere sehr wohl die Meinungen von Cerealkiller / Symantha (siehe oben) betreffend der 2 Flle - aber wie schon erwhnt, kann ich manchen Aussagen nicht zustimmen.

Sosehr ich das Gesetz der Schweigepflicht verstehe und auch untersttze (Dr. Flaccus hat das schon sehr gut erklrt - auch diese Gradwanderung), meine ich aber auch, dass es auf die SITUATION, UMSTNDE ankommt - wie der Arzt letztendlich entscheidet.

Liebe Gre
Christine
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dora
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Anmeldungsdatum: 27.12.2006
Beitrge: 1319

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 16:54    Titel: Antworten mit Zitat

Susanne.Reuter hat folgendes geschrieben::
Nur mal so eingeworfen:

Ich habe im Krankenhaus erlebt, dass man (unfreiwilliger Weise) sehr viel er die Krankheit / Behandlung seines Zimmernachbarn erfhrt. Weil man zwangslufig bei der Visite anwesend ist und eben auch sonst "nahe dran". So gut kann man gar nicht weghren. Selbst wenn man mchte.

Das finde ich persnlich zum Teil viel schlimmer, als wenn ein "naher" Verwandter solche Infos (ungewollt) erhlt.

Susanne


gerade das ist fr mich eigentlich auch das Schlimmste was ich mir in diesem Zusammenhang vorstellen kann. Ich hab das schon persnlich erlebet, wie Patienten mit ihrem Besuch die Krankengeschichte der Zimmernachbarn durchgehechelt haben ( schlimm ).
Ich persnlich bin dafr, dass sich der Arzt und auch das med. Personal an die Schweigepflicht hlt, weil ich solange ich mndig bin nicht mchte, dass man persnliche Dinge ber mich weitergibt. Wenn ich das will, tu ich das selbst.
Ich denk mal das Gesetz gibts, und muss eingehalten werden. Da gibts doch keine Diskussion Frage Wozu sind denn Gesetzte da Frage


Gru dora
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Susanne.Reuter
DMF-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beitrge: 3513

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 17:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiss aber ehrlich gesagt auch nicht wie man das im Krankenhaus-Alltag vermeiden kann. Selbst wenn man seine persnlichen Umstnde nicht haarklein erzhlt - der Nachbarn hrt ja zwangslufig alles mit. Und man kann ja schlecht die anderen Patienten whrend der Visite aus dem Zimmer schicken (oder sie in ihren Betten raus schieben).

Mit meiner Zimmernachbarin habe ich mich gut verstanden und wir haben auch ber vieles privat gesprochen. Dennoch mchte man ja nicht unbedingt alles 'verffentlichen' und deshalb eine gewisse Kontrolle haben, was da bekannt wird.

Es kann unter Umstnden ja auch peinlich sein oder andere unangenehme Folgen haben.

Susanne
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christine16
DMF-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 19.07.2005
Beitrge: 1155

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 19:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Susanne, Dora,

1. Es 'beginnt' ja schon bei der Anamnesen-Aufnahme/Estellung. MUSS diese unbedingt am Krankenbett sein? Meistens ist das so, zumindest erlebte ich das oft (Arztzimmer war besetzt). Fragen wie z.B. Leiden Sie unter Durchfall, Verstopfung und manch andere doch 'peinliche' Fragen Weinen wie Susanne ja schon anmerkte.

2. Habe ich schon oft erlebt, dass der Arzt bzw. die Gruppe ..... schon beim NCHSTEN Patienten standen - und sich DORT noch von dem 'Fall' des vorigen oder anderen Patienten unterhielten / beratschlagten / Order gaben etc. somit ich

3. wenn es mir mglich war, ich halt hinausging, humpelte oder wie auch immer, das Zimmer verlie; na ja soferne ich schon 'dran' war Winken

Liebe Gre
Christine
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Dr. A. Flaccus
DMF-Moderator


Anmeldungsdatum: 06.03.2005
Beitrge: 3181
Wohnort: Hildesheim

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 19:17    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend allerseits!

Zuersteinmal mchte ich hier etwas klarstellen:

Ich bin definitiv nicht fr einen Versto gegen die rztliche Schweigepflicht. Im Gegenteil. Manchmal bin ich fr Angehrige ein sehr schwieriger Gesprchspartner... Winken Vor allem am Telefon.

Aber ich bin eben auch im Medizinwesen ttig und versuche daher, in dieser sehr interessanten Diskussion das Spannungsfeld zu beleuchten, in dem wir rzte (aber auch alle anderen Mitarbeiter eines Krankenhauses, der Rettungsdienst u.v.m!!!) uns befinden. Da ist eben nicht immer alles schwarz oder wei, sondern besteht auch vielen Grauzonen.

Die Situation im Dreibettzimmer ist so eine Grauzone, aber wie will man das lsen?
Der Umkehrschlu wre: Der Pat. erfhrt erst bei seiner Entlassung per Brief, was die letzten fnf Wochen eigentlich los war... Winken
Oder er bemht sich, schnell wieder aus dem Bett zu kommen, damit er es zum persnlichen Gesprch ins Arztzimmer schafft.

Wie gesagt: Die Kunst ist es, den "goldenen Mittelweg" zu finden und allen ein wenig gerecht zu werden. Das gelingt nicht immer, manche geben sich aber auch gar keine Mhe. Traurig

Ich will mal ein Beispiel geben:

Sie kommen abends heim, Ihr Partner ist nicht da. Ganz aufgeregt erzhlen Ihnen die Nachbarn, Ihr Partner sei "mit Blaulicht" ins Krankenhaus X gekommen. Sie fahren dort hin, Sie weisen sich als Ehepartner aus, aber das Personal will Ihnen nicht mal verraten, ob Ihr Partner dort berhaupt eingeliefert wurde.
Alles vllig korrekt.
Und nun?

Bin mal gespannt auf die Vorschlge.

Gru
A. Flaccus
_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt fr Ansthesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator
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cerealkiller
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Anmeldungsdatum: 23.03.2006
Beitrge: 179
Wohnort: daheim

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

@Christine16: Da hattest du wohl Glck, weil deine Ehe harmonisch luft. Eine Freundin von mir kmpft gerade mit ihrem Noch-ehemann im Zuge des Scheidungsverfahrens um das Sorgerecht fr ihren gemeinsamen Sohn. Sie htte bestimmt weniger Freude gehabt, wenn man ihren Noch-Ehemann ihr Noch-Ehemann erfahren htte, dass sie fr einige Wochen "ausser Gefecht" ist. Daraus wrden ihr bestimmt Nachteile entstehen.

Wenn du diese Info bei dir trgst, dann kannst du deinen Mann vllig legal bei dir haben - weil es ja dann dein ausdrcklicher Wunsch ist, dass er informiert wird.

Ich fr meinen Teil hab gern wenig bis garkeinen Besuch, wenn ich mal im KH sein mu - mein Mann macht mich hchstens nervs, weil der ein viel ausgeprgteres Sicherheitsdenken praktiziert als ich. Da mu ich mir dann Sorgen machen, ob er sich nicht zuviele Sorgen macht, dasselbe bei meiner Mutter, daher entscheide ich gern SELBST wem ich wieviel Detailinfo zukommen lasse. Wenn mir dann jemand, der von rechts wegen NICHTS sagen drfte zuvorkommen, dann rgert mich das natrlich sehr. Meine Mutter hat auch so schon genug Sorgen, die wrde ich wohl berhaupt erst hinterher informieren, wenn alles (hoffentlich) gut ausgegangen ist - nicht um ihr etwas zu verheimlichen sondern nur um sie etwas zu schonen, sie hat schon mehr als genug um die Ohren.

Das mit den Zimmerkollegen bei der Visite ist unangenehm, aber da sehe ich keine Mglichkeit, wie man das vermeiden knnte (ausser vielleicht mp3-player aufsetzen, solange die anderen dran sind). Insgesamt finde ich das aber weniger rgerlich, weil ich zu denen ja keine persnliche Beziehung habe, wie zu meinen Eltern, Freunden, Nachbarn usw. dh der vergisst mich wieder, ich vergesse denjenigen/diejenige auch wieder. Ausserdem quasselt man ja auch miteinander, wenn man sich tagelang gezwungenermaen auf der Pelle hngt, dh. man wei vermutlich schon VOR der ersten Visite die halbe Lebens- und Krankengeschichte des Bettnachbarn. Was ich aber nicht einsehe ist, dass mein Besuch quasi vorher oder nachher zu einem Arzt gehen kann und sich informieren kann was ich habe - und zwar genauer als ich es von mir aus zu erzhlen bereit bin.

Der Arzt ist dem PATIENTEN verpflichtet - nicht dem Besuch. Ich hab mich frher schon fters gewundert was mir so alles erzhlt wird - tw auch ungefragt und bis in die Details, dachte aber auf Grund der Selbstverstndlichkeit mit der das gemacht wird, dass es erlaubt und normal ist. Die Hlfte davon wollte ich garnicht wissen, die andere Hlfte hat man mir wohl "im stillen Einverstndnis" mit den jeweiligen Patienten erzhlt - aber dennoch ist die Sache nicht SAUBER abgelaufen. Wenn man mir garnichts erzhlt htte, dann htte ich eben gewartet bis der Patient es zulsst, und wenn nicht, dann nicht. Ich bin doch kein Baby mehr, das halt ich schon aus.

Fr mich, als jemand, der einen Arzt als VERTRAUNSPERSON betrachtet hat ist das einfach erschreckend. Und was die Motivation fr diese Redseligkeit ist verstehe ich auch nach wie vor nicht. Es gibt Branchen, in denen wird man rausgeschmissen und verklagt, wenn man Betriebsgeheimnisse ausplaudert. Wozu gibt es das Gesetz, wenn sich soviele nicht dran halten? Da drngt sich mir wirklich die Frage auf, ob andere Gesetze und Dienstvorschriften auch einfach umgangen werden, wenn das eigene Ermessen sie nicht "ntzlich" findet. Sorry, sowas frdert sicher nicht mein Vertrauen in die rzteschaft.
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Die Schlauheit des Fuchses resultiert zu 90 % aus der Dummheit der Hhner.
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Susanne.Reuter
DMF-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beitrge: 3513

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 21:08    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe da auch keine Patentlsung.

In dem von Herrn Dr. Flaccus beschriebenen Fall wre ich sowohl als Partner als auch als Patient wahrscheinlich entuscht / verrgert, wenn diese Ausknfte nicht weiter gegeben wrden. Ehrlich gesagt wre ich wahrscheinlich die Erste die "Warum machen Sie denn da jetzt keine Ausnahme?" fragen wrde. Das muss ich zugeben. Obwohl ich sonst sicher eher auf Verschwiegenheit bestehen wrde. Verlegen

Ich sehe die Schwierigkeit fr den Arzt sehr wohl ein. Das ist ein echter Spagat. Hier in der Diskussion zeichnet sich ja schon sehr ab wie unterschiedlich das gesehen wird. Und dann macht man das sicher auch von verschiedenen Situationen abhngig. Ich glaube der Arzt ist so oder so der "Bse" (und das meine ich nicht ironisch).

Susanne
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Symanta
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Anmeldungsdatum: 10.02.2005
Beitrge: 174
Wohnort: Thringen

BeitragVerfasst am: 03.06.07, 21:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ich drehe mich da nun gedanklich schon sehr im Kreis... Nachvollziehen kann ich alle Seiten, die des Arztes, die eines Verwandten... dennoch vertrete ich unbedingt nach wie vor den Standpunkt, der Patient steht an erster Stelle.


Ausrufezeichen
Wenn es schon immer so gewesen wre, dass NIEMAND ber den Patienten Auskunft bekommt, (allerhchstens jene Vertrauensperson die der Patient [bei Bewusstsein oder im Notfallpass] angegeben hat), wrde auch keine unberechtigte Person den Arzt deswegen traktieren (knnen) - dann wre es halt (schon immer) die normale Regel an die sich alle zu halten haben. Wie es z.B. in einer Arztpraxis der Fall ist, hier wei schlielich auch jeder, dass er nicht einfach hineinspazieren und Infos ber einen Patienten einfordern kann.

ber die Sache mit den Visiten am Bett habe ich mich ebenfalls immer tierisch aufgeregt. Vor allem auch in der Psychiatrie / Psychosomatik, wo normalerweise alle Patienten problemlos ins rztliche Sprechzimmer gehen knnen und wo man besonders persnliche / intime Dinge besprechen muss, finde ich das nicht korrekt. Auf normalen Krankenhausstationen konnte ich immer noch darber hinweg sehen, dass Zimmergenossinnen (die ja sonst null Bezug zu mir haben) meine Symptome etc zu hren bekommen, doch in der Psychiatrie ging es mir irgendwann zu den Visiten am Bett stets nur "gut", da ich zu einer Mitpatientin auf dem Zimmer absolut kein Vertrauen haben konnte. Das hat (mitunter) die Gesamttherapie letztendlich wohl ziemlich beeintrchtigt.

Freundliche Gre
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Mens sana in corpore sano ... sit!
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Alba
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Anmeldungsdatum: 23.02.2005
Beitrge: 84

BeitragVerfasst am: 04.06.07, 06:34    Titel: Antworten mit Zitat

Dr. A. Flaccus hat folgendes geschrieben::
Sie kommen abends heim, Ihr Partner ist nicht da. Ganz aufgeregt erzhlen Ihnen die Nachbarn, Ihr Partner sei "mit Blaulicht" ins Krankenhaus X gekommen. Sie fahren dort hin, Sie weisen sich als Ehepartner aus, aber das Personal will Ihnen nicht mal verraten, ob Ihr Partner dort berhaupt eingeliefert wurde.
Alles vllig korrekt.
Und nun?

Hallo,
ich stelle mir diese Situation besonders schrecklich vor. Zwar wre in so einem Fall dem Gesetz, also einer abstrakten Vorgabe Genge getan, doch wre es fr die (mit)betroffenen Angehrigen ein dermaen unmenschliches Verhalten, da ich dann schon lieber jenen Balanceakt, jene rechtliche Grauzone in Kauf nehme.
rzte, eine Medizin, die sich formal korrekt hinter einer abstrakten Gesetzlichkeit verstecken, machten mir viel mehr Angst als ein mglicher Versto gegen die Schweigepflicht.

Wenn ich selbst hilflos und nicht ansprechbar irgendwo eingeliefert wrde, mchte ich da mein Partner alle Ausknfte, auch die intimsten, bekommt, um fr mich entscheiden zu knnen.
Sollte nun zuflligerweise auch meine Mutter, der ich solche Sorgen eigentlich nicht zumuten mchte, Entsprechendes erfahren, dann wr das eben so, und ich wrde niemandem deswegen einen Vorwurf machen.
Ich denke, die Mehrzahl von Patienten und rzten geht da von normalen Beziehungen innerhalb einer Familie aus und nicht von einem gestrten Verhltnis zu den eigenen Eltern oder zum Partner. Fr letzteres wte ich keine Lsung.

Kann man denn mittels einer Vorsorgevollmacht oder so festlegen, da im Fall des Falles nur Person A zu verstndigen sei, die dann alles weitere bernimmt?

Freundliche Gre von Alba
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cerealkiller
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Anmeldungsdatum: 23.03.2006
Beitrge: 179
Wohnort: daheim

BeitragVerfasst am: 04.06.07, 11:07    Titel: Antworten mit Zitat

Du darfst als Patient jederzeit bestimmen, wer zu verstndigen ist und wer informiert werden darf, das passiert dann auch. Tatsache ist aber, dass du trotzdem damit rechnen musst, dass mehr Leute informiert werden als du angegeben hast - vermutlich so ziemlich jeder Verwandte, der ein bichen auf die Trnendrse drckt. Die Natur-Heul-Methode ffnet Tren, die einem sonst verschlossen blieben.

Zitat:
Sie kommen abends heim, Ihr Partner ist nicht da. Ganz aufgeregt erzhlen Ihnen die Nachbarn, Ihr Partner sei "mit Blaulicht" ins Krankenhaus X gekommen. Sie fahren dort hin, Sie weisen sich als Ehepartner aus, aber das Personal will Ihnen nicht mal verraten, ob Ihr Partner dort berhaupt eingeliefert wurde.
Alles vllig korrekt.
Und nun?


Naja das wrde bei uns so nicht vorkommen, weil meine Schwiegereltern unsere nachbarn sind und mein Schwiegervater (Rentner haben ja viel Zeit) sofort die "Verfolgung" aufnehmen wrde und meine Schwiegermutter Telefonterror im KH machen wrde ........ dh. ich wsste wohl schon den Unfallhergang, bevor der NAW im KH eingetroffen ist

Aber mal rein hypothetisch: festzustellen, ob jemand in einem KH liegt ist relativ leicht. Eine gute Freundin von mir ist Polizistin, ich wrde sie bitten anzurufen, oder, falls die grad frei hat einfach die Tasche packen, zum Portier gehen und mit einem zuckersen Augenaufschlag sagen: Ich bringe die Sachen fr Herrn XY, der ist heute bei ihnen eingeliefert worden, wo mu ich denn da hin? Dann wird er einen Blick in seinen computer werfen und entweder sagen: haben wir nicht (dann ginge die Suche weiter) oder er sagt mir den Weg.... Im Krankenhaus ist man in der Regel ganz gut aufgehoben, dh. ich kann auch ruhig ein bichen warten bis sie bereit sind mir die Details zu erzhlen. Natrlich wrd ich mich sorgen, aber das halt ich aus. Das ist mir (und auch ihm) lieber, als wenn schon der halbe Ort seine Blutwerte kennt, bevor er aus dem Koma erwacht.

Ich bin nicht die Sorte Mensch, die nur dann auf Regeleinhaltung besteht, wenn es zum eigenen Vorteil ist - ich wrde das natrlich auch dann akzeptieren und gutheissen, wenn ich selbst die bin, die warten und auf Nadeln sitzen msste.
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Die Schlauheit des Fuchses resultiert zu 90 % aus der Dummheit der Hhner.
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bubble
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Anmeldungsdatum: 30.03.2005
Beitrge: 122

BeitragVerfasst am: 18.06.07, 21:25    Titel: Antworten mit Zitat

hallo!

Ich wrde zu diesem Thema auch gerne meinen Senf geben. Bei meinem letzten ernsthaften Krankenhausaufenthalt (wurde notoperiert weil ich eine Bauchfellentzndung hatte), war der einzige, der genaue Auskunft erhielt mein Mann, eben weil er mich selbst dorthin brachte und es zu entscheiden galt, wie wichtig die Familienplanung fr uns sei . Meinen Eltern und Geschwistern wurde keine Auskunft erteilt, nur eben, dass ich die OP gut berstanden hatte. Ich persnlich empfand das Verhalten der rzte als absolut korrekt, denn es oblag mir selbst, ob ich erzhlen wollte, wies meinen Eierstcken geht, oder ob ich sie noch besitze. Das sind persnliche Dinge, die ich vielleicht meiner Mutter, aber bestimmt nicht meinem Vater erzhlen mchte, und wenn schon Information an Verwandte gegeben wird, wer entscheidet dann, ob der Vater nun eine Vertrauensperson ist, oder die Mutter, oder beide, oder keiner?
(Auch meine Familie war nicht bse ber die Verschwiegenheit der rzte, sie wussten, dass es mit soweit gut ging und das reichte vorerst, bis ich selbst wieder ansprechbar war)

Wie ich hier in Tread lese, gilt es meinem damaligen Krankenhaus dafr zu danken, dass sie sich ans Gesetz gehalten haben. Das nchste Mal erwarte ich auch Dank vom Fussgnger, fr den ich am Zebrastriefen gehalten habe! Cool


gruss

bubble
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listener
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Anmeldungsdatum: 31.10.2005
Beitrge: 138
Wohnort: Raum Darmstadt

BeitragVerfasst am: 11.09.07, 13:50    Titel: Antworten mit Zitat

Puuuhh,

kompliziertes Thema das! Ich denke mal die letzte Wahrheit wird schwer zu finden sein weil es - wie so oft - fr beide Seiten einige gute Grnde gibt.

Wie Dr. Flaccus so richtig bemerkte ist der Groteil der Flle eher grau statt schwarz oder wei. Bin ich der besorgte Ehemann dann freue ich mich wenn der Arzt mir Auskunft gibt, ganz egal was in welchem Gesetz steht.
Bin ich der Mann der sich gerade von seiner Frau getrennt hat und findet das sie mein Zustand nichts angeht, dann bin ich froh wenn sie nichts gesagt bekommt.

Oder wie mir gerade passiert (Rotes Kreuz) Patient bei Veranstaltung kollabiert, kommt ins Krankenhaus. Patient war aber mit Reisegruppe im Bus angereist. So, was jetzt? Busfahrer will wissen was los ist: Kann er fahren oder nicht? Soll er warten? Bleibt der Patient im Krankenhaus? Oder wird er entlassen?

Nicht einfach...

Michael
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kleinerkrmel
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Anmeldungsdatum: 05.07.2008
Beitrge: 6

BeitragVerfasst am: 05.07.08, 21:10    Titel: wie erwhnt-echt ein umstrittenes thema Antworten mit Zitat

guten abend,
auch ich musste schon wegen verletzung des schweigepflicht-rechts leiden. 2007 litt ich an einer lungenentzndung an der ich fast starb, doch soweit kam es nur wegen rztlichem versagen. mehrere rzte hatten mir gesagt, dass ich nur hyperventiliere, bis ich bald kaum noch laufen o stehen konnte. im kh kam die diagnose lungenentzndung u wurde an viele schluche u kanlen gesteckt. man handelte schnell u ich war an mehrere apparate "gebunden" aber die diagnose oder dass es ernst ist, erfuhr ich erst durch meine mutter, die in einem anderen land wohnt und das erst am tag danach. andere verwandte wurden auch informiert aber ich wurde vllig ausgelassen. deshalb frage ich mich-gibt es keine schweigepflicht fr rzte mit minderjhrigen patienten?
MFG
kl. krmel
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Dr. A. Flaccus
DMF-Moderator


Anmeldungsdatum: 06.03.2005
Beitrge: 3181
Wohnort: Hildesheim

BeitragVerfasst am: 07.07.08, 07:00    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Tag!

Bei Minderjhrigen hngt die Sache natrlich von der Art der Erkrankung und vom Alter des Patienten ab.

Mit einer 17jhrigen wird man da sicher anders verfahren, als mit einem fnf oder neunjhrigem Patienten.

Dies ist letztlich eine Einzelfallentscheidung.

Mit freundlichen Gren

Dr. A. Flaccus
_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt fr Ansthesie
- Notfallmedizin -
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Barca
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Anmeldungsdatum: 24.05.2008
Beitrge: 508
Wohnort: USA & D

BeitragVerfasst am: 24.07.08, 20:31    Titel: Re: rztl. Schweigepflicht vs. Verwandte Antworten mit Zitat

Symanta hat folgendes geschrieben::
Noch eine andere Frage: warum darf die Verwandtschaft im Falle eines Todes ein Veto zur Organspende einlegen, obwohl der Verstorbene einen entsprechenden Ausweis besa und es somit deutlich sein Wunsch war?


wo / wann ist das passiert? Der schriftliche Wille des Patienten ist fr den Arzt bindend, die Angehrigen haben sofern eine gltige Erklrung zur Organspende vorliegt, kein Vetorecht, es sei denn, sie knnen nachweisen, dass der Patient zum Zeitpunkt der Unterschrift nicht zurechnungsfhig war, was sehr schwer sein drfte.

Bei uns gilt das (schriftliche) Wort des Patienten, wenn er der Organentnahme zugestimmt hat, gilt das, die Angehrigen werden dann darber informiert, wenn es soweit ist, aber nicht gefragt. Sollte er es ausgeschlossen haben, dann gilt auch das, selbst wenn die Angehrigen die Organentnahme wnschen, so wird der Eingriff nicht durchgefhrt - weil der Patient zu Lebzeiten anders verfgt hat.
Die Angehrigen werden bei uns nur gefragt, wenn keine Entscheidung des Patienten vorliegt / bekannt ist.
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