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PM: Uns reicht's! Wir wehren uns gegen Stellenabbau und ...

 
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Gunnar Piltz
DMF-Moderator


Anmeldungsdatum: 17.09.2004
Beitrge: 1766
Wohnort: Schleswig-Holstein

BeitragVerfasst am: 23.11.07, 08:20    Titel: PM: Uns reicht's! Wir wehren uns gegen Stellenabbau und ... Antworten mit Zitat

Pressemitteilung vom 22.11.2007

Uns reichts! Wir wehren uns gegen Stellenabbau und unzumutbare Arbeitsbedingungen in der Pflege.

Der Deutsche Berufsverband fr Pflegeberufe (DBfK) e. V. und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di starten gemeinsam bundesweite Unterschriftenkampagne. Kampagne richtet sich an 1,2 Millionen Beschftige in Pflegeberufen. Gewerkschaft und Berufsverband stellen konkrete Forderungen an Bundes- und Landesregierungen.

Berlin, den 22. November 2007

Mit der heute in Berlin gestarteten, bundesweiten Unterschriftenkampagne Uns reicht`s protestieren der Deutsche Berufsverband fr Pflegeberufe (DBfK) e.V. und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), mit Untersttzung des Deutschen Pflegerates (DPR), gemeinsam gegen Personalabbau und unzumutbare Arbeitsbedingungen in der Pflege. Die auf drei Monate angelegte Kampagne richtet sich vor allem an die rund 1,2 Millionen Pflegefachkrfte, aber auch an Patienten und Angehrige. Unterschriften knnen online auf www.pflege-uns-reichts.de sowie in Listen, die in ganz Deutschland in Krankenhusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten zur Verfgung stehen, geleistet werden. Ziel der Kampagne ist es, die gesammelten Unterschriften an die Bundesregierung zu bergeben. Damit soll nachdrcklich auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der deutschen Pflege aufmerksam gemacht und konkrete Forderungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen zum Wohle von Betroffenen und Pflegekrften vorgebracht werden.

Deutschland steht heute kurz vor dem Pflegekollaps, warnte Franz Wagner, Bundesgeschftsfhrer des DBfK e.V., bei der Vorstellung der Kampagne in Berlin. Die Folgen werden fr Patienten und Pflegekrfte noch katastrophaler ausfallen, als die bereits jetzt sprbaren, unzumutbaren Bedingungen in Krankenhusern, Pflegediensten und in der stationren Altenhilfe. Wir protestieren mit unserer Unterschriftenkampagne gegen diese unertrgliche Situation und warnen ffentlichkeit und Politik vor dem vlligen Zusammenbruch des gegenwrtigen Pflegesystems, was weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Gesundheits- und Sozialwesen in Deutschland htte, so Wagner weiter.

Ellen Paschke, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, kndigte zum Kampagnenstart an: Wenn wir heute nicht Alarm schlagen, werden wir morgen in Deutschland keine qualitativ ausreichende Pflege mehr haben. Wir rufen daher alle ver.di-Mitglieder in der Pflege und darber hinaus alle Pflegekrfte dazu auf, sich mit ihrer Unterschrift zu engagieren und so die Politik auf Lnder- und Bundesebene zum sofortigen Handeln aufzufordern. Mit Stellenabbau und unertrglichen Arbeitsbedingungen muss jetzt Schluss sein!

Dem deutschen Pflegewesen droht nach Auffassung des Berufsverbandes und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft nach einem schleichenden, jahrelangen Arbeitsplatzabbau, Lohndumping sowie hohem Kostendruck angesichts des kontinuierlich steigenden Pflegebedarfs der Zusammenbruch: Arbeitsbedingungen und die Arbeitsbelastung der Pflegekrfte sind heute in allen drei Kernbereichen der Pflege Krankenhuser, stationre Altenhilfe sowie ambulante Pflege unzumutbar. Die allgemeinen Ursachen fr die Krise der deutschen Pflege liegen im Pflegepersonalabbau bei gleichzeitig steigendem Pflegebedarf durch hhere Patienten- und Bewohnerzahlen und dem Anstieg pflegeintensiverer, u. a. chronischer Erkrankungen wie z. B. Demenz. Die Situation wird durch den zunehmenden Einsatz von nicht-ausgebildeten Hilfskrften in der Altenpflege und eine Aufweichung gesetzlicher Bestimmungen zur pflegerischen Mindestausstattung verschrft. Obwohl diese Entwicklungen seit Jahren bekannt sind und aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland knftig bedeutend mehr Pflegekrfte bentigt werden, baut man gleichzeitig die Ausbildungspltze fr Pflegefachkrfte weiter ab.

Katastrophale Situation in Krankenhusern, stationrer und ambulanter Altenpflege

Allein in Krankenhusern wurden seit 1995 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 48.225 Arbeitspltze im Pflegedienst abgebaut, gleichzeitig stiegen die Fallzahlen von 15,9 auf 16,8 Millionen. Die Struktur der Pflegeflle hat sich noch dadurch verschrft, dass immer mehr multimorbide und ltere Patienten einen hohen Untersttzungsbedarf haben. Analytische Messinstrumente zur Erfassung von Pflegepersonalbedarf wurden vor Jahren bereits wieder auer Kraft gesetzt. Viele Krankenhuser stehen unter einem erheblichen Kosten- und Wettbewerbsdruck, 40 Prozent aller Klinken wollen auch im kommenden Jahr Stellen in der Pflege abbauen auf dem Rcken von Patienten und Pflegekrften, zu Lasten von Qualitt und Sicherheit (Krankenhausbarometer 2007). Nach dem Pflegethermometer 2007 knnen beispielsweise nur in einem Drittel der Krankenhuser eine regelmige Grundpflege und Lagerung von Patienten erbracht werden, und nur 25 Prozent aller Huser knnen sich berhaupt intensiv um pflegebedrftige Patienten kmmern.

In Altenpflegeheimen, d.h. der stationren Altenhilfe, ist die Situation fr Heimbewohner und Pflegekrfte ebenso dramatisch; hier wirken sich Zeitdruck, berbelastung, unzureichende Qualifizierung und Personalmangel besondern drastisch aus die Kluft zwischen Ansprchen von Bewohnern und Angehrigen und Heimrealitt wird immer grer. Fr Zuwendung bleibt keine Zeit, immer mehr Pflegebedrftige mssen in krzeren Zeittakten gepflegt und betreut werden. Da die Zahl der Pflegebedrftigen und Demenzkranken und der Grad der Pflegebedrftigkeit in Deutschland unaufhaltsam steigen nach aktuellen Erhebungen von heute 677.000 Heimbewohnern auf etwa 1,7 Millionen im Jahre 2050 wird gerade in der stationren Altenhilfe schon in den nchsten zwanzig Jahren doppelt so viel Personal bentigt. Stattdessen droht in vielen Bundeslndern jedoch ein zunehmender Qualittsverlust, weil der Fachkrfteschlssel, der die Zahl von Pflegefachkrften in Heimen gesetzlich festlegt, aus Kostengrnden ausgehhlt wird.

In den Einrichtungen der ambulanten Pflege sieht die Lage nicht besser aus. Da auch hier immer mehr Menschen lnger pflegebedrftig sind, gleichzeitig aber das klassische familire Umfeld fr die Pflege wegfllt, steigt der Bedarf an huslicher Pflege kontinuierlich an. Besorgniserregend ist hier der Qualittsverfall durch den Einsatz ungelernter Hilfskrfte. Schtzungen gehen davon aus, dass heute bereits rund eine Millionen unqualifizierter Krfte in der huslichen Pflege arbeiten, immer weniger Fachkrfte stehen zur Verfgung.

Unbeschadet der ffentlichen Diskussion ber eine schlechter werdende pflegerische Versorgung, Fachkrftemangel und steigenden Pflegebedarf werden Ausbildungspltze abgebaut.

Forderungen der Pflegekrfte an die Bundesregierung.


Angesichts der unzumutbaren Bedingungen in der Pflege stellen der Deutsche Berufsverband fr Pflegeberufe und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit ihrer Unterschriftenkampagne diese Forderungen an Gesellschaft und Politik:
  • Patienten und Pflegekrfte haben ein Recht auf eine Personalausstattung in allen Versorgungsbereichen, die eine qualitativ hochwertige und dem Bedarf angemessene pflegerische Versorgung gewhrleistet.
  • Die Pflege bentigt verpflichtende analytische Personalbemessungsverfahren zur Sicherstellung dieser Personalausstattung.
  • Pflegefachkrfte verdienen eine Vergtung, die den Anforderungen und Belastungen angemessen ist.
  • Die Kampagne setzt sich fr Arbeitsbedingungen ein, die es mglich machen, den Pflegeberuf wieder mit Freude und Stolz und mglichst ein Leben lang auszuben.
  • Die Pflege ist kein Lckenber und Dispositionsmasse fr ungeliebte Ttigkeiten anderer Berufe.
  • Die Pflegenden in Deutschland erwarten Respekt und Anerkennung fr die Leistung, die sie fr den Behandlungserfolg erbringen.

DBfK und ver.di fordern die Bundesregierung auf, sich endlich aktiv fr die dauerhafte Sicherstellung der pflegerischen Versorgung in Deutschland einzusetzen.

Weitere Informationen:

Deutscher Berufsverband fr Pflegeberufe e.V.
Salzufer 6, 10587 Berlin
Telefon: 030/219 157 0
Telefax: 030/219 157 77
Mail: dbfk[at]dbfk.de
Web: www.dbfk.de

ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Bundesverwaltung - Fachbereich 3: Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin
Telefon: 030/69 56 18 30
Telefax: 030/69 56 31 41
Mail: gerd.dielmann[at]verdi.de
Web: www.verdi.de

www.pflege-uns-reichts.de
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