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Qualittsmanagement, oder was darunter so verstanden wird
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Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beitrge: 2794
Wohnort: Lrrach

BeitragVerfasst am: 07.02.08, 13:43    Titel: I@ Susanne: Haben Sie nicht. Antworten mit Zitat

Aber wie sichs gehrt aus Patientinnensicht verstanden.

Es gibt mindestens vier beobacht- und meinetwegen mebare Qualitten.
1. Struktur
2. Ablauf
3. Ergebnis
4. Erlebnis

Nur wenige Patientinnen haben normalerweise so viel Einblick, dass sie mehr beurteilen knnen als die Erlebnisqualitt eines Arztbesuchs. Sie haben ja fter und in vielen Threads geschrieben, worauf es Ihnen da ankommt.

Es sind brigens seit Jahren und allerorts die selben Hitlisten, die in allen Seminaren gebetsmhlig und bereits ein bichen erschpft aus Umfragen zitiert werden.
Es sind
1. die Wartezeiten auf den Termin (mglichst taggleich)
2. die Wartezeiten am Termin (mglichst null)
3. die Zuhrqualitt (mglichst in jedem Fall erschpfend)
4. die Beratungsqualitt (mglichst total individuell und erschpfend, keine Fragen mehr offen
5. Diskretion
6. Hygiene und Ordnung

Punkt 5. und 6. sind standardisiert herstellbar und kein organisatorisches Problem.

Aber zwischen den brigen Punkten entstehen sofort Widersprche, die sich grundstzlich n i c h t weg-organisieren lassen. Sie entstehen berall da, wo es nicht mglich ist,
1. kurzfristig eingeschobene Notfalltermine abzulehnen
2. Patient/-inn/en in ein ganz enges Zeitkorsett zu pressen
3. fr Nicht a priori Geplantes (Untersuchungen, Beratungen, Behandlungen) weitere Termine zu machen
4. aus konomischen Grnden auf einen Durchsatz von durchschnittlich mindestens 35 Patienten pro Wochenarbeitstag zu verzichten.

Der letzte Punkt drfte a l l e Praxen betreffen, die sich nicht ausschlielich auf Privatversicherte und Selbstzahler beschrnken. Und, jede Wette, diese Richtgre wird in den nchsten Monaten bis Jahren eindeutig zunehmen.

Wenn Sie die Near miss-Kasuistiken aus dem medizinischen Bereich durchgehen (Begriff aus der Luftfahrt, also die Aufarbeitung der gerade nochmal gutgegangenen Zwischenflle), dann finden Sie immer dieselben Mit-Ursachen:
1. Zeitnot
2. mehrere Vorgnge parallel
3. mehrere Kommunikationsstrnge parallel
4. miverstndliche Kommunikation
Wenn ich also den GAU vermeiden will, muss ich jeden Tag ein paarmal die Erlebnisqualitt von Praxisbesuchen mindern.

Das geht einfach nicht anders, und es ist a u c h Qualittsmanagement.
Nur ein vllig anderes, als darunter landlufig verstanden wird.

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Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beitrge: 2794
Wohnort: Lrrach

BeitragVerfasst am: 07.02.08, 13:58    Titel: Nur Mal eben schnell eine kurze Frage Antworten mit Zitat

hab ich heut frh dreimal gehrt. Patientin steht am Empfang neben drei anderen, die ein Rezept oder einen Termin oder eine berweisung brauchen.

Sie hat vergessen, dass
1. ich vielleicht Namen und Hauptdiagnose im Kopf hab,
2. aber n i c h t , weshalb, seit wann und in welcher Dosierung genau welches Medikament verordnet
3. ich also die (digitale) Karteikarte gelesen haben muss, bevor ich die kurze Frage beantworten kann, und
4. ich sowohl ihre Frage als auch meine Antwort (wenn auch noch so kurz) aufschreiben m u s s
5. aber der Rechner am Empfang grad eine andere Karteikarte offen hat.

Also bitte weg vom Tresen und ab ins Wartezimmer. Aber ich gleich macht doch der Kindergarten zu

So, und jetzt ?
Sehnse, das ist die tgliche Realitt. Und die kriegen Sie eben im schmucksten QM-Handbuch n i c h t ein fr allemal geregelt.

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Susanne.Reuter
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Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beitrge: 3513

BeitragVerfasst am: 07.02.08, 20:11    Titel: Antworten mit Zitat

Solche Situationen kenn ich doch selber. Ich glaube, dass ich auch meistens Verstndnis habe: Was zum Beispiel Wartezeiten angeht oder das auch mal eine Panne passieren kann. Wer arbeitet macht auch Fehler. Ich meckere selten bis nie und "leide" eher still.

Dass man - wenn es um Menschen und ihre groen und kleinen "Macken" geht - nicht alles regeln und alles nach "Schema F" abwickeln kann, ist mir auch bewusst. Es kann nicht alles rund laufen.

Trotzdem glaube ich, dass man manche Vorgnge auch sicherlich optimieren kann. So dass es sowohl fr Patienten als auch fr Angestellte oder Arzt besser laufen knnte. berzeugt bin ich davon, dass sich manchmal dese "Betriebsblindheit" einschleichen kann und sich auch- ich unterstelle keine Absicht - in der alltglichen Routine Unebenheiten im Umgang oder Ablauf einschleichen knnen. Und diese knnte man eben optimieren. Und das sollte man doch nicht gleich abwehren und von sich weisen.

Es geht ja gar nicht umbedingt immer um das "Zwischenmenschliche" Es geht auch um solche Dinge wie z. B. den Datenschutz.
Ein Beispiel: In einer Praxis werden die Blutabnahmen im sogenannten "Labor" vorgenommen. Der Patient nimmt dazu auf einem bestimmten Stuhl Platz. Nun ist es so, dass der Patient von seinem Stuhl aus Einblick auf den dort stehenden Bildschirm hat und Patientendaten einsehen kann. Ich habe natrlich kein Fachwissen, aber dort steht dann z. B. "Berta Beispiel - HIV-Test" Vermutlich werden Patientenname und Anlass der Probenentnahme fr das Labor aus welchen Grnden auch immer aufgelistet. Da vom Praxisteam wahrscheinlich noch nie jemand auf diesem Stuhl gesessen hat, wird man das gar nicht wissen. Was ist nun, wenn ich Berta Beispiel kenne und mich frage, warum sie einen HIV-Test machen lsst?


Susanne

Wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht sicher bin, ob so etwas berhaupt ber das Qualittsmanagement verbessert werden knnte....
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Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beitrge: 2794
Wohnort: Lrrach

BeitragVerfasst am: 07.02.08, 22:43    Titel: Im zertifizierten QM Antworten mit Zitat

mssen Sie nach einer solchen Beobachtung einen Akt machen:
1. eine Beschwerde aufnehmen
2. eine Sitzung einberufen
3. die Beschwerde besprechen
4. einen Plan zur Abhilfe erstellen
5. dafr einen Verantwortlichen und ein Erledigungsdatum benennen
6. das Abartbeiten des Plans protokollieren
7. bei Wieder-Versto den Mitarbeiter abmahnen
8. eine Patientenumfrage zum Thema Datenschutz ausarbeiten
9. diese durchfhren
10. diese validieren
11. usw. usf.
Auerdem schreiben Sie in Ihr Handbuch zwei drei Seiten ber das Thema Datenschutz. Dabei am Wichtigsten: immer alles von der hchst mglich verfgbaren Autoritt herleiten, alle Gesetze zitieren, am besten gleich den Lieben Gott persnlich.

Gegen solchen abartigen Mist hab ich was.

Als normal denkender Mensch stell ich einmal fr immer meine Bildschirme so auf, dass Patienten sie nicht lesen knnen, hab ich einen elektronischen Bildschirmabdeckschoner und sag meinen Leutchen ein einziges Mal, seid doch bitte so lieb und macht die Karteikarten zu, wenn der Patient den Raum verlsst.


Hab einen QM-Kurs gemacht beim Nestor des QM in unserem Fach. Der arme Kerl hat seine Gropraxis bereits zertifiziert, als im Land noch gar keiner wute, was das ist. Heutzutage verdient er seinen Lebensunterhalt nur noch mit QM-Kursen, weil er sonst zu nix mehr kommt. Mittlerweile hat alleinig die interne QM-Verwaltung seiner einzigen Praxis den Umfang von 8 (acht) Laufmeter Akten. Macht er das nicht mehr, ist er beim nchsten Audit sein hbsches Zertifikat los.

Mir bleibt da die Spucke weg.

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Susanne.Reuter
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Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beitrge: 3513

BeitragVerfasst am: 09.02.08, 20:08    Titel: Antworten mit Zitat

Mir auch ; -)

Das kann dann wohl auch nicht mehr praktisch oder hilfreich sein: So kann man - wenn er denn vorhanden ist - den Nutzen so einer Sache auch kaputtverwalten.

Susanne
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